Hans *1899

 

Hans *26.09.1899 +31.12.1938



Am Sylvestertage 1938 starb im Schulpforte der Administrator des Pförtner Gutes, Hans Böhme, al. port. 1912-1917. Er war am 26. September 1899 im Pfarrhaus Lossa Kreis Eckartzberga geboren. Wenn er auch schon mit (noch nicht) zehn Jahren sein Elternhaus verlassen musste, so haben doch die Eindrücke des dörflichen Lebens auf seine Entwicklung den stärksten Eindruck geübt. Seit Ostern [1909] besuchte er die Klosterschule Donndorf, von Ostern 1912 an die Landesschule Pforta bis zur Notreifeprüfung Juni 1917. Als Pionier wurde er in Straßburg ausgebildet und machte die Kämpfe des Jahres 1918 an der Westfront mit.
Nach dem Kriege begann er in Berlin Maschinenbau zu studieren, erkannte aber bald seinen wahren Beruf und wurde Landwirt. Nach acht Lehr- und Wanderjahren führte ihn sein Weg 1928 nach Pforte zurück. Zunächst als Inspektor, nach dem Tode des damaligen Administrators Verke von 1931 ab als Administrator hat er dem Pförtner Gut seine volle Kraft gewidmet. Als er den Tag hätte feiern können, an dem er zehn Jahre in Pforta gearbeitet hatte, da hat er die Krankheit seine Kraft schon gebrochen.
In drei Bezirken hat sich das Leben Hans Böhmes erfüllt: im Beruf, Soldatentum, Familie.
In ihm lebte etwas von der Art seiner bäuerlichen Vorfahren. Obwohl der Hof der Familie seit drei Generationen in anderer Hand ist und er keinerlei Aussicht hatte, einmal auf eigenen Boden wirtschaften zu können, wurde er Landwirt und nahm die vielen Nachteile, die der Beruf des landwirtschaftlichen Beamten, vollends in der Nachkriegszeit hatte, gern in Kauf, weil er spürte, dass in diesem Beruf sein Wesen sich entfalten und seine Kräfte sich auswirken konnten. Seine Tüchtigkeit als Landwirt ist stets anerkannt worden. Bei der Gefolgschaft galt er als ein strenger, gerechter Vorgesetzter, der die von anderen geforderte Pflichttreue selbst bewährte. Wie weit diese Pflichttreue ging, und wie gern er, der nicht viel zu loben pflegte, tüchtige Leistung auch anerkannte, wurde in seinen letzten Tagen offenbar: Noch am Abend vor seinem Tode hat er seinem jetzigen Nachfolger den Betrieb übergeben und eine Stunde lang alles Notwendige mit ihm durchgesprochen, um ihm das Einarbeiten zu erleichtern. Es war das letzte, das er mit klarem Bewusstsein getan hat. Das letzte Wort das er, wenige Tage vorher, schrieb, war der Dank unter ein Führerbild, das er der Gefolgschaft schenkte als Anerkennung für den Einsatz in der letzten Ernte, die er nicht mehr voll hatte überwachen können.
An dem Kampf um ein neues Deutschland hat er seit 1923 in den Reihen des "Stahlhelm" teilgenommen und ist nach der Machtübernahme in die SA eingetreten. Den Aufbau der neuen Wehrmacht, besonders die Entwicklung seiner alten Truppe, die Pioniere, hat er mit Begeisterung verfolgt, ihre Bewährung vor dem Feind hat er nicht mehr erlebt.


Schon als Junge hatte er einen stark ausgeprägtem Familiensinn gezeigt. Und im Kreise seiner eigenen Familie entwickelten sich später Seiten seines Wesens, von denen der Außenstehende nichts ahnen konnte. Keine größere Freude gab es für ihn als zu sehen, wie seine Jungen natürlich und aufnahmebereit in die Welt hineinwanderten, der seine Lebensarbeit galt. Schwere Krankheit in der Familie, berufliche Sorgen lagen hinter ihm, er hoffte wohl auf eine Zeit der ruhigen, ungehemmten Arbeit, als eine schwere Krankheit sich bemerkbar machte. Nach monatelangem, tapferen Widerstand ist er ihr am 31. Dezember 1938 erlegen. Die Hoffnung auf Gesundung hat er nicht aufgegeben.

Niedergeschrieben von seinem Bruder Dr. Joachim Böhme


Klosterschule Donndorf

 Erich Böhme an Hans Klosterschule Donndorf Bez. Halle 10.4.1910

Lieber Hans! Gestern (Montag) hätte ich nicht so sehr zu eilen brauchen, denn die Mama kam mit Joachim erst mit dem 9-Uhr-Zuge. Ich bin nun früh hierher nach Dresden gefahren, wo ich Abends ankam. Die Großmama wird dir von ihrem Geburtstage ein Andenken schicken – vielleicht hast du es inzwischen schon bekommen. Joachim, den ich am Montag abend nur ganz kurz gesehen, hat es in Langensalza sehr gefallen.Herzl. Gruß Dein Papa

Erich Böhme Dresden an Hans Klosterschule, Donndorf

Montag, 23.4.1910

Mein lieber Hans! Wie geht es dir? Habt ihr auch so unfreundliches Wetter, wie es hier vielfach ist? Ende dieser Woche werde ich nun wieder zurückkommen. Und und wenn auch nicht gleich von der Reise aus, so komme ich doch bald einmal nach Donndorf, um dort einige Aufnahmen zu machen. – Sind das nicht eleganten Droschken, die hier auf der Karte zur Benutzung stehen. Herzliche Grüße, dein Papa 

Postkarten aus seiner Soldatenzeit nach dem Notabitur 1917

 Hans Böhme Feldpostkarten 1917 fast alle mit Bleistift geschrieben (gelegentlich Korrektur der Adresse in Tinte)

an Fräulein Ilse Böhme Lossa (Finne) Bez. Halle 3.7.1917Abs. Pionier Hans Böhme Ersatz Batl. 15 4. Rekr[utendepot] Straßburg .E. [Adresse in lateinischer Schrift][Postkarte Blick auf den Sturmeck-Staden]Korporalschaft Straßburg

Liebe Ille! Aus Straßburg sende ich dir die herzlichsten Grüße. Heute sind wir schon vereidigt. Am Nachmittag hatten wir dienstfrei. Wir würden wieder ausgeschickt. Den Eltern sage bitte, sie sollen doch durch Wilhem H. Mein Einjährigenzeugnis, etwas zu essen und etwas zu Brot schicken! Mein Brot ist nämlich heute alle geworden. Am Sonntag mehr. Vielleicht kommen wir in der nächsten Woche in die Kasernen. Beste Grüße allen! Dein Hans

PIONIER Hans Böhme Straßburg, 13. Juli. an den Obertertianer Joachim Böhme Pforta Kreis Naumburg verzogen nach:  Lossa Kreis Eckartsberga

Lieber Joachim! Da du mir den Empfang des Briefes vom 1. Juli bestätigt hast, so muss ich annehmen, dass er verloren gegangen ist. Er war sehr wichtig. Ich schicke Dir 2M und den Wäschesackschlüssel. Also eine höchst wichtige Sache. Jetzt hättest du ihn erhalten, so schreibe mir umgehend!!!!! Wir werden heute noch nicht ausgelassen, sondern werden ausgeführt. Aber in die Kaserne gehts bald. Grüße bitte die unleserlich habt ihr das Buch schon, so schreibt eine Widmung hinein. Nimm es mit nach Hause. Gruß Hans

Hans an Ille 15.7.17 [Postkarte Straßburg Theater - Schöpflinstaden (Das Quai Schoepflin ist eine Straße in Straßburg, Frankreich, die am Flussufer (der Ill bzw. dem Canal du Faux-Rempart) im Stadtzentrum liegt. Sie befindet sich in der Postleitzahlregion 67000. ) - Kaiserpalast]

Liebe Ille! Der Empfang des Paketes wird hiermit dankend bestätigt.

Der Kuchen war schon etwas verschimmelt. Aber gegessen wird er doch!!!

Den unleserlich habe ich an Joachim schon längst abgeschickt. Heute habe ich das Gesuch (?) geschrieben. Vater soll doch erst versuchen, mich bei den 11ern anzubringen. Es ist mit lieber.

Die ungelesenen (?) Briefe und die Karte habt ihr wohl inzwischen schon erhalten. Mir gehts wieder vollkommen gut. Nun muß ich wieder an dem Auffüllen meiner Backen (?) arbeiten. Bringt Wilh. Mir mein Einjähr. Zeugnis mit? Sonst schickt es bitte umgehend mit. Ich unleserlich – etwas zu essen.

Grüße an alle Hans


derselbe an dieselbe Festungslazarett Xa Straßburg-Neudorf 12.9./15.9.17 [Postkarte Festungslazarett X Straßburg Abteilung A Südfront]

Stoff zu einem Briefe habe ich hier nicht; und so schicke ich dir die Ansichtskarte. Du bist hoffentlich hiermit auch zufrieden. Die vorige Karte hast du doch wohl schon erhalten. Mir gehts gut. Euch doch hoffentlich trotz Eures Schweigens auch. Heute ist ein großes Wunder geschehen. Joachim hat mir mal wieder geschrieben. Der Text (?) war zwar kurz, aber er hat doch wenigstens einmal geschrieben. Er versprach mir auch, bald mal wieder zu schreiben. Da bin ich aber gespannt. Wenn alles gut geht, kann ich am nächsten Montag entlassen werden. Es wird auch Zeit. Grüße bitte die Eltern und sei selbst vielmals gegrüßt von Deinem Hans.


Hans an Ilse 24.9./27.9.17 [Postkarte Straßburg Els. Bauernhaus in der Orangerie mit Fontäne] [mit Tinte]

Liebe Ille! Ihr laßt ja mal wieder recht wenig von Euch hören. Die Folge davon, dass Ihr so wenig schreibt, ist natürlich jetzt, wo ci weiter nichts zu berichten habe, dass ich auch seltener schreibe. Ich kann nur schreiben, dass es mir gut geht ud dass ich dasselbe von Euch auch hoffe. Heute schrieb mir Onkel Max. Er will sich an den Kommandant und unsere Kompagnie hierher persönlich wegen meiner Versetzung zu den Minenwerfern wenden. Hoffentlich hat er Glück. Der ausführliche Brief von Joachim kam endlich auch an.

Beste Grüße an Euch alle!

Dein Hans.


derselbe an dieselbe Festungslazarett Xa Straßburg-Neudorf 23./27.9.1917 [Postkarte Gänseliesel in der Orangerie]

Endlich habe ich mal wieder eine für dich passende Ansichtskarte bekommen. Du kannst dich doch nun nicht mehr beklagen, dass dein Soldatenbruder Dir nicht schreibt. Hast du denn die beiden anderen Ansichtskarten erhalten? Ich sitze nun immer noch hier. Wann ich herauskomme, ist ungewiß. Vielleicht um den 1. X. Herum. Dann wird, wie ich schon schrieb, ein Erholungsurlaub beantragt. Mir gehts noch gut. Euch doch hoffentlich auch! Das wertzappel (?) habe ich bis jetzt noch nicht erhalten. Aber was nicht ist, kann noch werden.

Besten Gruß Euch allen!

Dein Hans


Pionier Hans Böhme, Ers. P.B.15. 4. Dep. 2. Korps Straßburg i/Els 29.9.17/2.10. an Pastor Böhme [Postkarte Neue Evangel. Kirche / handschriftlich: Garnisonkirche]

Liebe Eltern! Vielen Dank für das Geburtstagspaket. Der Kuchen schmeckt sehr gut. Die Zigarren do. Ich habe keinen Brief genommen, da ich doch keinen Stoff habe. Den kann ich später benutzen.

Ich sitze immer noch im Lazarett. Ich hoffe aber Anfang Oktober herauszukommen. Also Daumendrücken!! Joachim hat mir seit dem Ende seiner Sommerferien doch schon dreimal geschrieben. Alle Achtung! Mit dem Vorschlag, den Mutter der Großmutter wegen des Kuchens gemacht hat, bin ich vollkommen einverstanden. Onkel Max schrieb mir neulich. Er hofft bestimmt, mich anzubringen, wenn er nicht beim Batl.[allion] auf Widerstand stößt.

Besten Gruß an alle! Euer Hans


Hans an Ilse Ers. P.B.15. 4. Dep. 1. Korps Straßburg i/Els 11.10./15.10.17 Poststempel Straßb. Neudorf [Postkarte Festungslazarett X Garten der Abteilung A]

Vielen Dank für die Karte aus Langensalza und den Brief aus Lossa. Wie Du siehst, bin ich noch im Laz. Wenn Ihr die Karte habt, bin ich vielleicht schon heraus. Ich habe heute zum 2. Mal negativ gehabt. Zeit wirds ja nun auch. Wie gehts Euch denn? Mir gehts gut. Besten Gruß Hans [mit größerer Schrift und offenbar stärkerem Druck]


Hans an Pastor Böhme Ers. P.B.15. 4. Dep. 1. Korps Straßburg [mit Tinte geschrieben] 19.10. [erhalten] [Postkarte Straßburger Münster]

Liebe Eltern! Gestern nachmittag bin ich nun glücklich hier wieder gelandet. Mit der [rund 10 griechische Buchstaben], das laßt nur sein. Es ist ja schon zu spät. Mir gehts gut; Euch hoffentlich auch. Vielen Dank für den Brief, den ich gestern erhielt.

Besten Gruß! Hans


Hans an Pastor Böhme Ers. P.B.15. 4. Dep. 1. Korps Straßburg [mit Tinte geschrieben] 21.10. [erhalten] [Postkarte Straßburg bei den gedeckten Brücken]

Liebe Eltern!

Der erste Dienst liegt nun hinter mir. Er schmeckt sehr gut. So streng war er nicht. Mir gehts gut.

Besten Gruß auf Wiedersehen!

Hans

Mündlich mehr.


Hans an Pastor Böhme Ers. P.B.15. 4. Dep. 1. Korps Straßburg [mit Tinte geschrieben] 23.10. [erhalten] [Postkarte Kaiserpalast]

Liebe Eltern!

Endlich gestattet der Dienst mal wieder endlich Euch zu schreiben. Mir gehts gut. Der Dienst schmeckt wieder. Wie gehts Euch denn?

Mündlich mehr

Auf Wiedersehen Ende nächster Woche.

Besten Gruß! Hans





Kämpfe des Jahres 1918 an der Westfront In "Belgischen Aktenstücke 1905-1914" hat Hans zum Zeichen seines Besitzes seinen Namen eingetragen.















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